Mitten in der Krise ein weltweites Hochleistungsteam bauen - Mit Holger Nauheimer

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Mitten in der Krise ein weltweites Hochleistungsteam bauen - Mit Holger Nauheimer

An Tag 1 des deutschen „Lock-downs“ erreichte mich eine Einladung zum Virtual Collaboration Campus. ‚Sicher eine Gelegenheit, jetzt mit weltweiten Experten neue Tipps und Tricks zu lernen‘, dachte ich mir, war nur eine Woche später bereits dabei und erlebte ein Feuerwerk an virtuellem Teambonding, Kreativität und fachlichem Input sowie Austausch auf hohem Niveau mit virtualcollaboration.works. Hinter diesem Format steckt Holger Nauheimer, der sich als „Pfadfinder“ bezeichnet, der gerne neue Wege für und mit anderen erschließt.

DEN VIRTUELLEN RAUM BEGRÜSSE

BM: Holger, mit welchem Ziel hast du den Virtual Collaboration Campus ins Leben gerufen?

HN: Die Absicht war klar: Die Covid-19 Krise war bereits Ende eine riesengroße Bedrohung für unsere Berufs-Sparte der Facilitatoren, Trainer und Berater. Gerade jetzt besteht in unserer Sparte ein unheimlich großer Bedarf an Fähigkeiten und Haltungsveränderungen für die Arbeit im virtuellen Raum. Viele Facilitatoren und Trainer haben sich lange darum gedrückt, denn wir lieben es ja mit Gruppen persönlich in individuellen Formaten zusammen zu arbeiten. Anfang März war klar, dass jetzt die Zeit für uns ist, den virtuellen Raum wirklich zu begrüßen und zu beleben, und ich bin überzeugt davon, dass wir damit unseren Kunden und der Gesellschaft einen Nutzen bieten können.

BM: Ihr habt es geschafft innerhalb kürzester Zeit ein viertägiges Format ins Leben zu rufen, was für jeden auf der Welt zugänglich war und gleichzeitig in verschiedenen Zeitzonen fast rund um die Uhr besucht wurde. Das alles schien sehr leicht. Ich weiß aber aus deinem Facilitatoren Team, dass eine Menge Arbeit in das Programm geflossen ist. Wie schafft man es, in kürzester Zeit ein internationales Team zu mobilisieren und so viel Energie zu bündeln – was ist da passiert?

HN: Das ist immer noch ein Wunder für mich und ich kann es selbst immer noch nicht ganz verstehen. Ich habe am 28. Februar zum ersten mal eine E-Mail an Teile meines Netzwerkes geschrieben und auch bei LinkedIn veröffentlicht. Meine Botschaft war: wir müssen jetzt agieren, lasst uns eine Gruppe bilden, die sich mit den Herausforderungen von Covid-19 befasst und lasst uns entsprechende Angebote für Organisationen, für Unternehmen, aber auch für Berater machen.

NACH 3 TAGEN EIN 30-KÖPFIGES TEAM, NACH 3 WOCHEN EIN GLOBALES, HOCHPROFESSIONELLES LERNFORMAT

HN: Daraufhin haben viele reagiert und 3 Tage später waren wir eine Gruppe von rund 30 Personen. Wir haben dann schnell angefangen, Kommunikationsplattformen aufzusetzen, um uns auszutauschen und Gedanken zu teilen. Wir hatten Video-Calls und haben ganz schnell Vertrauen aufgebaut. Alle Beteiligten von Amerika bis Australien haben den ungeheuren Druck gespürt, jetzt etwas zu tun. Nur zehn Tage später, am 10. März, haben wir beschlossen den Virtual Collaboration Campus aufzusetzen. Das war die Initialzündung, mit der alles ganz schnell ging. Wir haben insgesamt 1.400 Stunden investiert, um diesen Campus möglich zu machen. Tag und Nacht, das Feuer ist nie ausgegangen. Wir wollten den Campus wirklich gut machen, nicht irgendeine langweilige Konferenz machen, sondern zeigen, wie viel Wert ein solches Format hat.

MIT SOZIOKRATISCHEN STRUKTUREN ZUR VIRTUELLEN HOCHLEISTUNGSORGANISATION

BM: Du hast gerade die Bedeutung von Vertrauen und einem „Sense of Urgency“ erwähnt. Ist es das, worauf es ankommt, um so gute internationale Zusammenarbeit wirksam zu gestalten?

HN: Wir haben in den vergangen Jahren schon häufig darüber gesprochen im Zusammenhang mit digitaler Transformation und agiler Führung. Das, was wir vielleicht theoretisch besprochen haben, war bei uns ganz schnell wirksam. Ich gebe zu, dass ich viel gezogen und geführt habe – aber durchaus in kollegialem und kollektivem Verständnis. Das ist sehr schnell aufgenommen worden. Es gab den Sense of Urgency, aber alle hatten auch wirklich Lust sich einzubringen. Die Möglichkeit, sich ständig in virtuellen Räumen zu treffen und sich synchron oder asynchron auf virtuellen Plattformen absprechen zu können hat geholfen, dadurch ist das Vertrauen im Team ganz schnell gewachsen. Ich habe genauso allen vertraut und schnell haben sich Zirkel etabliert, wie in soziokratischen Strukturen mit unterschiedlichen Kreisen für Technologie, für Kommunikation, für Inhalte – alles, was es in einem Unternehmen braucht. Die Kreise haben selbstorganisiert agiert und das hat gut funktioniert. Wir haben uns natürlich auch gegenseitig bekräftigt und wertgeschätzt – all das, was zu guter Teamarbeit dazu gehört. Kleine Konflikte haben wir nebenbei gelöst.

BM: Konflikte lösen im virtuellen Raum, wie funktionierte das?

HN: Das funktionierte sehr gut. Man muss natürlich Verantwortung dafür übernehmen. Es hat sich ein, inoffizielles Management-Team herausgebildet und dafür Verantwortung übernommen und da, wo Bedarf war, Gespräche geführt. Das Vertrauen und die Bereitschaft der Beteiligten, ganz schnell Konflikte zu lösen war herausragend.

ERFOLGSFAKTOREN VERTRAUEN, NEUGIER UND KONFLIKTKOMPETENZ

BM: Vertrauen, Mut für Neues, ständige Verfügbarkeit und Bereitschaft für Austausch – das klingt nach Arbeitsweisen, die sich auch gut in die Zeit „nach Corona“ mitnehmen lassen. Du hast zu Anfang unseres Gesprächs ein eher düsteres Bild für die Beraterbranche gezeichnet. Jetzt klingt es für mich, als gäbe es sogar eher mehr Bedarf nach Unterstützung und Begleitung, um genau solche Arbeitsweisen etablieren zu können.

HN: Das glaube ich auch, und der Ruf danach ist ja auch nicht neu. Er ist zum Teil schon gehört worden, aber zum Teil auch verhallt. Sehr wenige Verhaltensweisen haben sich wirklich geändert. Die Möglichkeiten zu virtuellen Arbeitsweisen gibt es schon sehr länger, ich beschäftige mich schon seit 20 Jahren damit. Wenn nach der Krise die Frage gestellt wird, was haben wir daraus eigentlich gelernt, dann ist eine Antwort, dass virtuelle Zusammenarbeit sehr gut funktioniert. Man muss die richtigen Prozesse und Werkzeuge haben und sich trauen – das haben wir mit dem Virtual Collaboration Campus unter Beweis gestellt. Ich weiß gar nicht, ob uns das so gut gelungen wäre, wenn wir alle in einem Raum gesessen hätten. Genau diese Arbeitsweisen sind zukunftsweisend, dafür braucht es aber ganz viel Haltung, veränderte Glaubenssätze und neue Fähigkeiten, nicht nur technisch. Besonders kommt es auch darauf an, wie man Verbindung schafft – das war das Feedback, das wir von unseren Teilnehmern erhalten haben, dass wir es geschafft haben eine ungeheure Nähe zu schaffen, z.B. mit unserem virtuellen Lagerfeuer.

BM: Das kann ich gut bestätigen. Für alle, die jetzt mehr erfahren möchten über euer tolles Format, wie können sie mehr erfahren? Gibt es Recordings vom Event?

HN: Aus Datenschutzgründen haben wir keine Recordings zusammengestellt. Wir werden aber selbstverständlich weitere Veranstaltungen anbieten. Zwei Veranstaltungen sind schon jetzt in der Planung: Ein lateinamerikanischer Campus am 1. Mai und am 26.-28. Juni die Global Change Days.

BM: Vielen herzlichen Dank, dass du uns die Gelegenheit zum Mitlernen gegeben hast. In uns hast du Mitstreiter für die Mission gefunden, virtuelle Räume für vertrauensvolle Zusammenarbeit zu schaffen! Danke für das tolle Interview.

Hier finden Sie das Interview als Video:

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