20+: Das Jahrzehnt der ersten Male
Keine andere Lebensphase verlangt uns so viele neue Rollen, Entscheidungen und Erfahrungen
in so kurzer Zeit ab.
Das war früher auch schon so: Ausbildungs- und Berufswahl, Auszug, die erste eigene Wohnung, Ortswechsel, neue soziale Umfelder – manchmal sogar mehrfach innerhalb weniger Jahre –, Partnerschaften verdichten sich, erste Familienfragen tauchen auf, gesellschaftliche Verantwortung wächst und langfristige Zukunftsentscheidungen wollen getroffen werden. Vieles davon nahezu gleichzeitig.
Doch einiges hat sich grundlegend verändert:
1. Der Selbstoptimierungsdruck ist enorm gestiegen.
Social Media macht es leider möglich. Wir vergleichen uns längst nicht mehr nur mit unserer unmittelbaren Peer Group, sondern potenziell mit Menschen auf der ganzen Welt. Aus einem natürlichen sozialen Vergleich ist ein permanenter globaler Leistungswettbewerb geworden.
2. Die Beschleunigungsdynamik wächst durch Künstliche Intelligenz exponentiell.
Berufseinstiege, die noch vor drei oder vier Jahren als sicher galten, sind es heute vielfach nicht mehr. Berufsbilder verändern sich in einer Geschwindigkeit, die viele junge Menschen verunsichert. Ein Artikel der NNZ fragt bereits nach der „verlorenen Generation“. Die Gen Z drohe aus dem Arbeitsmarkt auszuscheiden, bevor sie richtig angekommen ist. Eine Analyse von Stepstone (Januar 2026) über das Gesamtjahr 2025 zeigt, dass der Anteil der ausgeschriebenen Einstiegsstellen 42 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre lag.
3. Positive Zukunftsbilder verlieren an Kraft.
Negative Zukunftsszenarien gab es schon immer. Gleichzeitig existierte jedoch lange Zeit auch eine positive gesellschaftliche Erzählung. Z.B.: „Unseren Kindern wird es einmal besser gehen.“
Heute glauben das nur noch wenige. Weltweit verneinen inzwischen mehr als 70 Prozent (!) diese Aussage. Hartmut Rosa beschreibt diesen Wandel eindrucksvoll in der sehr hörenswerten, aktuellen Folge des Podcast mit Matze Hielscher. Dabei ist die Erkenntnis ist nicht neu: Schon 2023 wies die renommierte Zukunftsforscherin Florence in ihrem Buch „Zukunft. Eine Bedienungsanleitung“ auf diesen Trend hin und auf die bedeutsamen Auswirkungen. Hoffnung so kann man hier nachlesen, ist keine Emotion, sondern eine Kompetenz. Gaub versteht Hoffnung nicht als naiven Optimismus. Sondern als die Überzeugung, dass unterschiedliche Zukünfte möglich sind und dass unser Handeln einen Unterschied macht. Hoffnung ist also eng mit Selbstwirksamkeit verbunden.
Dies sind nur einige Beispiele für die veränderten Rahmenbedingungen, unter denen junge Erwachsene heute ihren Platz im Leben finden müssen.
Natürlich betreffen diese Entwicklungen nicht ausschließlich die Generation 20+. Sie treffen jedoch auf eine Lebensphase, in der Identität vertieft, Weichen gestellt und Verantwortung übernommen wird. Gerade deshalb wirken sie hier besonders stark.
Die Auswirkungen sind inzwischen empirisch gut belegt: Beispielhaft ablesbar daran, dass
31 %
der jungen Erwerbstätigen sich aufgrund von Arbeitsstress innerlich ausgebrannt fühlen.
Jugend in Deutschland 2022/2023
41 %
der 18- bis 30-Jährigen mentale Gesundheit als eine ihrer größten Sorgen benennen.
Bertelsmann Stiftung 2024
8 von 10
jungen Erwachsenen (18–29 Jahre) sich fragen, ob ihre Generation überhaupt noch Kinder bekommen sollte. Sie erleben ihre Länder als unsicherer, ungleicher und gesellschaftlich stärker gespalten.
Allianz Foundation
Genau deshalb bietet die Die Zukunfts Gesellschaft e.V. mit dem Gamechanger-Programm ein halbjähriges Persönlichkeitsentwicklungsprogramm für junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren an – vollständig pro bono. Denn wir sind überzeugt, dass genau hier einer der wirksamsten gesellschaftlichen Zukunftshebel liegt.
Schließlich ist es genau diese Generation, die unmittelbar als Nächstes Verantwortung übernimmt – in Unternehmen, in Familien und, wenn die Ressourcen vorhanden sind, auch in unserer Gesellschaft. Deshalb sprechen wir gerne von einer unmittelbaren „Dreifach-Dividende“: Wer in die innere Entwicklung der 20+ler investiert, stärkt gleichzeitig Familie, Wirtschaft und Demokratie, deren Auswirkungen sich bereits in den kommenden Jahren zeigen kann.
Junge Erwachsene brauchen gerade in dieser Lebensphase gezielte Entwicklungsräume – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft oder ihren finanziellen Möglichkeiten.
Vor 5 Jahren deshalb gegründet bringen wir heute bereits jährlich rund 150 ehrenamtlich engagierte Coaches, Co-Coaches und Helping Hands mit etwa 250 jungen Menschen in vier Staffeln zusammen. Unser kleines, schlagkräftiges hauptamtliches Team schafft den organisatorischen Rahmen, koordiniert das Programm und betreibt das notwendige Fundraising, damit die Teilnahme für alle jungen Menschen unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten kostenfrei bleiben kann.
Ein besonderer Moment war für uns diese Woche die Einladung in den Friedenssaal des Historischen Rathauses Münster anlässlich der Würdigung des NRW-Ehrenamtspreises, den die Zukunfts Gesellschaft in der Kategorie Bildung erhalten hat. Die Coaching Gesellschaft ist ein wichtiger Initiativ-Partner der Zukunfts Gesellschaft. Die Auszeichnung hat uns deshalb sehr berührt!
„Das Jahrzehnt der ersten Male entscheidet oft darüber, wie Menschen die nächsten fünfzig Jahre ihres Lebens gestalten. Daher werden wir unser Ehrenamt unermüdlich weiter ausbauen.“
Autorin: Stephanie Ekrod, Gründerin Die Coaching Gesellschaft und Die Zukunfts Gesellschaft e.V.,
Münster, 30.07.2026

